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Ergänzung 2006: zu Na und
Der von Peter Kleinert genannte Anlass zur Gründung der KAOS-Galerie war nicht der einzige, es gab einen weiteren:
Im
Jahr der politischen Sensibilisierung 1968 habe ich mir die Gretchenfrage
gestellt, für wen denn nun meine Kunst eigentlich wichtig sei. Die ehrliche
Antwort: Für niemanden, außer mir selber. Das hieß im Klartext, dass meine
künstlerische Arbeit gesellschaftlich und politisch offensichtlich irrelevant
sei und damit überflüssig.
Darüber vergingen ein paar unglückliche Jahre mit Studium und Lehrerdasein.
1981 stellte ich mir die 68er Frage ein weiteres mal mit der gleichen Antwort, diesmal von mir akzeptiert. Ich hatte bemerkt, dass ich Kunst-machen existenziell brauche, egal wen’s interessiert.
Mit dieser neuen Erkenntnis, einer ganz ansehnlichen Mappe und den ersten grauen Haaren machte ich die Runde durch Kölner Galerien. Eindeutiges Desinteresse an der Mappe habe ich nicht erfahren, eher an meiner Person. Nach der Ursache gefragt, antwortete eine Galeristin, das sei eine Generationsfrage. Konsterniert und begriffsstutzig hab ich nachgehakt. Dann kam’s klirrend deutlich: „Sie sind zu alt". (Mein damaliges Alter: 46 Jahre).
Diese bittere Erfahrung haben viele Kollegen meiner Generation machen müssen. Als Berufsanfänger, frisch von der Kunstschule, wurde uns (von Galeristen) gesagt: Stoßt Euch mal erst die Hörner ab, werdet klug und weise, dann könnt Ihr wiederkommen. Wir sind wieder gekommen, ohne Hörner, klug und weise - aber „ zu alt". Zwei meiner ehemaligen Studienkollegen haben sich darüber das Leben genommen.
Für mich war es der Anlass, gestützt durch glückliche Umstände, selber einen Präsentationsort zu schaffen für „unbrauchbare" Kunst.
Marianne Tralau

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